Seelsorge

»Erschaffen, um zu werden« (Martin Buber)

Alter ist auch deswegen eine schöne Lebensphase, weil wir im Lauf unseres Lebens Freiheitsgrade dazugewinnen, etwas davon ablegen, was uns an uns stört und wir etwas »weiser« werden, weil sich uns neue Einsichten über uns und die Welt eröffnen. Glücklicherweise endet dieser Prozeß nie: Wir sind, wie Martin Buber sagt, »Menschen, um zu werden«.

»Niemand ist eine Insel«

– in diesem Satz Thomas Mertons spiegelt sich wider, daß niemand von uns etwas ohne andere ist oder ohne andere weiterkommt. Viele Formen von gegenseitiger Unterstützung spielen dabei eine Rolle: Freundschaftliches Gespräch, Beratung, Therapie, Validation oder Glaubensgespräch gehören dazu.

Sich auf Augenhöhe begegnen

Die Menschen, die das Gespräch mit uns suchen, sind in der Sicht der humanistischen Psychologie (Carls Rogers klientenzentrierte Arbeit zum Beispiel) selbst die »Fachleute« für ihre Situation. Eine der Motivationen für eine therapeutische Ausbildung ist es, das weiterzugeben, was man für sein eigenes Leben als hilfreich erfahren hat.

Hier und Jetzt

In der Seelsorge geht es darum, einen Raum für das vertraute Gespräch zu bieten und diesen sich füllen zu lassen durch einen wertschätzenden Umgang miteinander. Dies geschieht durch Aufmerksamkeit und Mitgefühl der Begleiterin/des Begleiters.

In der Gestalttherapie – sie geht zurück auf Fritz und Laura Perls und Paul Goodman – wird aufgegriffen, was »Hier und Jetzt« im Vordergrund ist. Gestalttherapie ist erkenntnis- und wachstumsorientiert, sie strebt heilsame Perspektivwechsel an.

Da-Sein

Alfred Beisser, ein gelähmter Gestalttherapeut, hat die »paradoxe Theorie der Veränderung« formuliert: Veränderung geschieht, indem wir uns und unsere Situation so akzeptieren, wie wir sind oder wie die Situation ist – und nicht, indem wir uns vornehmen, uns oder sonst etwas zu verändern.

Das einfache (und oft doch nicht so einfache) Da-Sein – so, wie es gerade ist – hat Bezüge zur Meditation. Es ist eine große Chance, unser Leben zu verändern, und indem wir etwas über uns dazulernen, können wir auch etwas über das Reich Gottes dazulernen.

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Altenarbeit im Prot. Dekanat Frankenthal (Pfalz)